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Vorbild in Sachen Inklusion

Datum: 07.10.2015

Kategorie: Soziales

 

Weit und breit einzigartig ist das Tropenhaus am Rennsteig in Kleintettau nicht nur wegen der Auswahl an exotischen Frchten und Pflanzen oder der tropischen Speisefische. Einzigartig in Deutschland ist auch das komplett barrierefreie Besucherfhrungskonzept. Neben Rollstuhlfahrern knnen somit auch Seh- und Hrgeschdigte an den Fhrungen teilnehmen. Bezirkstagsprsident Dr. Gnther Denzler informierte sich im Rahmen seines Sozialbesuches vor Ort ber das inklusive Angebot.

Was hier entstanden ist, ist absolut beeindruckend. Wrde dieses Gebude in Mnchen oder Berlin stehen, wre es wohl jeden Tag vllig berlaufen, staunte Bezirkstagsprsident Dr. Gnther Denzler bei seinem Sozialbesuch im Tropenhaus am Rennsteig in Kleintettau. In Begleitung von Angela Trautmann-Janovsky, Leiterin der Sozialverwaltung des Bezirks Oberfranken, Barbara Christoph, Leiterin der KulturServiceStelle des Bezirks, dem Behindertenbeauftragten des Bezirks Oberfranken, Egon Feilner und Brgermeister Peter Ebertsch lie sich Denzler sowohl ber die Forschungseinrichtung als auch ber das derzeit deutschlandweit einzigartige Besucherleitsystem informieren. Zwar habe er bereits viel darber gelesen. Doch wie umfangreich hier geforscht, wie nachhaltig gearbeitet und vor allem wie umfassend das wichtige Thema Inklusion angegangen werde, davon war Denzler am Ende sichtlich beeindruckt.

Ralf Schmitt, ideenreicher Geschftsfhrer des Tropenhauses, erluterte zu Beginn des Sozialbesuches die Entstehungsgeschichte der 3500 Quadratmeter umfassenden Gewchshuser. Barrierefreiheit war fr uns schon immer ein wichtiges Anliegen. Wir haben vor dem Hintergrund der Inklusion von Menschen mit Behinderung von Beginn an nicht nur an die Rollstuhlfahrer oder Senioren mit Rollatoren gedacht, erluterte Schmitt die Idee hinter den kleinen schwarzen Gerten am Eingang. Die 20 mobiltelefonartigen Multimediaguides sind einfach zu bedienen und ermglichen es auch seh- oder hrgeschdigten Menschen, die tropische Vielfalt in den Gewchshusern zu erkunden.

Nicht nur, dass die Tastaturen mit Brailleschrift speziell auf die Bedrfnisse von Sehbehinderten angepasst sind. Die Erluterungen in deutscher und bald auch in englischer Sprache sind mit akustischen Einspielungen hinterlegt: Gerusche und Musik sollen zustzliche atmosphrische Eindrcke vermitteln. So hrt man beispielsweise Bltterrascheln, wenn man an einer der groen Palmen entlang luft. Fr Hrgeschdigte steht auf dem Gert ein groes Display bereit, auf dem die Tour in Gebrdensprache erklrt wird. Wir haben dafr eng mit den groen Behindertenverbnden zusammengearbeitet und professionelle Gebrdensprachdolmetscher ins Boot geholt, beschreibt Schmitt die groen Anstrengungen. In Summe habe man ber 30.000 Euro investiert, finanziell untersttzt von der Sparkassenstiftung. Neben Kleintettau htten nur das Nationalmuseum in Ankara und ein weiteres Museum in Wien eine vergleichbare Ausstattung.

Schmitt will sich darauf jedoch nicht ausruhen. Ihm schweben haptische Stationen vor, an denen sehbehinderte Menschen vor allem ber den Tast- und den Geruchssinn noch nher an die tropische Pflanzenwelt herangefhrt werden sollen. Ein Antrag auf Bezuschussung laufe derzeit. In das Tropenhaus am Rennsteig knne aber schon jetzt jeder kommen und ber den Anbau exotischer Frchte im Gewchshaus staunen, egal ob mit oder ohne Behinderung, stellte Angela Trautmann-Janovsky am Ende des zweistndigen Rundgangs fest. Das ist gelebte Inklusion: Das komplette Angebot steht allen, ob alt oder jung, behindert oder nicht behindert, in gleicher Weise zur Verfgung, lobt die Leiterin der Sozialverwaltung.

INFO:
Beeindruckend war fr die Besucher an diesem Tag aber auch die Vielfalt der exotischen Frchte, wie Papayas, Guaven oder Noni, die inmitten des eher rauhen Klimas zwischen Frankenwald und Rennsteig wachsen. Die Frucht Lulo werde auer in Sdamerika nur noch in Kleintettau produziert und koste am Viktualienmarkt in Mnchen ein kleines Vermgen, erluterte Schmitt stolz. Stolz sei das Tropenhaus aber auch ber die Abwrmenutzung aus der benachbarten Glasfabrik. Knapp die Hlfte der bentigten Energie komme als Abfallprodukt des Glasherstellungsprozesses per Fernwrmeleitung in das Tropenhaus, den restlichen Energiebedarf deckt grtenteils die Sonne ab. Einen eigenen Kreislauf bildet auch das eingesetzte Polykultursystem, in dem die tropischen Speisefische wie Tilapia eingebunden sind. Das Wasser der Fischzuchtanlage dient zustzlich als Dnger der Pflanzen. Diese filtern das Wasser, bevor es wieder in die Fischtanks zurckfliet, erluterte Geschftsfhrer Ralf Schmitt.

Ansprechpartner:

Angela Trautmann-Janovsky
Leiterin

Telefon:
Fax:

(09 21) 78 46-32 00
(09 21) 78 46-9 32 00

 

2007 Bezirk Oberfranken