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Kultur
| 09. Juli 2026

Ausstellung und Vorträge

zu "NS-Krankenmorden"

Sonderausstellung „Doppelt stigmatisiert“ im Staatsarchiv Coburg

Drei Aufsteller auf denen Texte und Fotos in schwarz-weiß zu sehen sind, stehen in einem Raum.
Die Ausstellung "Doppelt stigmatisiert" war im vergangenen Jahr im Staatsarchiv Bamberg zu sehen. (Foto: Staatsarchiv Bamberg)

Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen in Tötungsanstalten ermordet. Aus der Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg betraf dies mehr als 400 Frauen und Männer, weitere starben in Folge gezielter Unterversorgung. Den ersten zehn Opfern, die zudem jüdischer Abstammung waren, ist die Sonderausstellung „Doppelt stigmatisiert“ der Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberfranken gewidmet. Sie ist im Staatsarchiv Coburg ab sofort bis zum 4. September bei freiem Eintritt zu sehen. 

Das „Nie-Wieder“, dem Deutschland aufgrund der Schrecken des Nationalsozialismus verpflichtet ist, sei für den Bezirk ein wichtiges Gebot im Hier und Jetzt, so Bezirkstagspräsident Henry Schramm: „Wir stehen heute für eine Gesellschaft ein, die sich um die Schwächeren kümmert, für sie da ist und ihnen soweit wie möglich die Chance gibt, aktiv am Leben teilzunehmen. Diese Verantwortung wurde von den Nationalsozialisten nicht wahrgenommen, schlimmer noch: die Schwächsten wurden kaltblütig ermordet.“ 

Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold wird im Rahmen eines Einführungsvortrags am Montag, 20. Juli um 18 Uhr im Staatsarchiv Coburg die historischen Hintergründe erläutern. „Niemand kann die Verbrechen je ungeschehen machen und diejenigen, die Schuld trugen, sind lange tot“, so Dippold. „Was bleibt, ist die Verantwortung, an die Opfer jenes Mordens zu erinnern und die Verantwortung für das eigene Tun“, mahnt er. 

Ein weiterer Vortrag von Dr. Marcus Mühlnikel beschäftigt sich am Mittwoch, den 29. Juli um 18 Uhr im Staatsarchiv Coburg mit Zwangssterilisation und "Euthanasie". Die Rolle der Hilfsschulen in Ober- und Mittelfranken für die nationalsozialistische Rassenhygiene. Am Mittwoch, den 5. August wird die Coburgerin Gaby Schuller um 18 Uhr über ihre Recherchen zu Kutzenberger T4-Opfern aus dem Coburger Raum berichten. Sie geht dabei auch auf die Biographien einiger jüdischer Opfer wie Meta Frankenberg ein, deren Schicksal in der Ausstellung behandelt wird. Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei.

Die Ausstellung „Doppelt stigmatisiert. Jüdische Opfer der NS-Krankenmorde aus Kutzenberg“ ist bis zum 4. September zu den Öffnungszeiten des Staatsarchivs Coburg in der Herrngasse 11 zu sehen. Für den Zutritt bitte an der Eingangstüre klingeln. Die mobile Ausstellung machte zuvor bereits Station in Kutzenberg, Bamberg, Lichtenfels, Kronach und Kulmbach.

Zur Ausstellung „Doppelt stigmatisiert“ des Bezirks Oberfranken:

Auf 21 Tafeln zeigt die Ausstellung Hintergründe und Informationen zu den schrecklichen Vorgängen ab 1939: Heil- und Pflegeanstalten im vereinigten Regierungsbezirk Ober- und Mittelfranken wurden aufgelöst, die Patienten auf die verbleibenden Einrichtungen in Kutzenberg, Erlangen und Ansbach verteilt. Von dort aus wurden im Rahmen der sogenannten T4-Aktion die Menschen busweise in Tötungsanstalten deportiert. Insgesamt wurden so zwischen September 1940 und Juni 1941 mehr als 400 Frauen und Männer aus Kutzenberg systematisch ermordet. Die meisten von ihnen wurden in Schloss Hartheim bei Linz zu Tode gebracht, wo mit einer Gedenktafel an ihr Schicksal erinnert wird. Proteste von Angehörigen und Kirchen stoppten im August 1941 das systematische Töten, doch viele Patienten starben weiterhin durch Mangelversorgung, zynisch „Hungerkost“ genannt.

Im Mittelpunkt steht die Rolle der Heil- und Pflegeanstalten im Rahmen der „T4-Aktion“, insbesondere mit den Vorgängen in Kutzenberg. Dabei ist ein zweifacher Zugang zum Thema möglich – wie auch die jüdischen Patientinnen und Patienten doppelt stigmatisiert waren: Einerseits aus „medizinischer“ Sicht, da bei den Patienten eine psychische Erkrankung diagnostiziert war, die nach nationalsozialistischer Ideologie eine Gefahr für die Volksgesundheit darstellte. Andererseits aus rassenideologischer Sicht in Hinblick auf vermeintlich minderwertige „Rassen“, was zur Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung führte. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Biographien der zehn Opfer mit Namen und weiteren Informationen, meist aus ihren Patientenakten. Einige Opfer aus Oberfranken, deren Schicksal besser erforscht werden konnte, werden exemplarisch ausführlicher dargestellt. Historische Fotografien, besonders aus der Anfangszeit der Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg, geben Einblick in den Anstaltsalltag, ergänzt von Fotografien weiterer relevanter Orte und Abbildungen historischer Dokumente.

 


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