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Pressemitteilungen
Kultur
| 10. Februar 2021

Interview mit Prof. Christoph Adt

zu Haus Marteau

Der Künstlerische Leiter des Hauses schätzt die Nähe zwischen Dozent und Schüler

Portraitbild von Prof. Christoph Adt. Er hat weiße Haare und trägt eine randlose Brille.
Prof. Christoph Adt ist begeistert von der beruhigenden, konzentrierenden Atmosphäre in Haus Marteau. (Foto: Martin Köppl)

In Haus Marteau, der Internationalen Musikbegegnungsstätte des Bezirks Oberfranken, würde normalerweise jetzt das Kursjahr 20/21 mit den Meisterkursen für verschiedene Instrumentengattungen und Gesang laufen. Pandemiebedingt sind die Kurse bis Ende Februar ausgesetzt.

Prof. Christoph Adt ist seit drei Jahren der Künstlerische Leiter des Hauses. Der Dirigent und Orchesterpädagoge ist Präsident der Hochschule für Musik in Nürnberg. Wir haben mit ihm über die europaweit einzigartige Künstlervilla in Lichtenberg gesprochen.

Was zeichnet Haus Marteau besonders aus?

Die Lage und die Prominenz des Hauses ermöglichen Kurse auf höchstem künstlerischen Niveau. Es ist ein wunderschöner Platz, ein optimal mit Klavieren ausgestattetes Haus, das intensive künstlerische Arbeit alleine schon durch seine äußeren Gegebenheiten unterstützt. Etwa 40 Meisterkurse mit international renommierten Künstlern laden junge Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt ein, wichtige Schritte auf ihrem Weg zu weiterer Exzellenz zu gehen.

Schon wenn ich hier aus dem Fenster schaue, schafft das eine beruhigende, konzentrierende Atmosphäre.

Unser großer Vorteil ist die Authentizität, die das vom Hausherrn Henri Marteau gestaltete und ausgestattete Haus mitbringt, gepaart mit einer großen Nähe zwischen Meister und Schüler. Was ich hier bei den relativ kleinen Kursen so gut finde, ist die ganz starke, ernste Zuwendung von erfahrenen Künstlern zu den Studierenden. Ich bin viel im Gespräch mit den Dozentinnen und Dozenten und höre immer wieder, wie wichtig ihnen ein enger Austausch ist, der eine große Nähe schafft.

Haus-Marteau-Konzerte sind ja oft so berührend, weil sie so intim sind, weil sie uns Augenblicke schenken, die in dieser Form nicht reproduzierbar sind.

Der Saal, der jetzt dazu kommt, gibt uns die Chance, dass sich das noch stärker festigen kann, dass wir entsprechend weiteres Publikum zu diesen Kursen und zu unseren Konzerten gewinnen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der künstlerischen Arbeit für Haus Marteau? 

Der Schwerpunkt liegt in der Exzellenz der Meisterkurse. Dieser Schwerpunkt wird bleiben. Er wird aber ergänzt durch die neuen Möglichkeiten, die sich durch den Saalbau erschließen: eine stärkere Erkennbarkeit in der oberfränkischen Region wird möglich sein.

Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass die Konzertreihe Haus Marteau auf Reisen auch einmal eine ganz kurze Reise macht und im Sommer an dem lauschigen, wunderbar ruhig gelegenen Frankenwaldsee in Lichtenberg gastiert. Dort sind sowohl sehr kleine als auch größere Veranstaltungen denkbar.

Ich würde auch gerne neue Musikfarben ins Haus bringen.

Warum sollten eine junge Künstlerin oder ein junge Künstler ins Haus Marteau kommen?

Haus Marteau ermöglicht künstlerische Begegnung auf einem exzellenten, internationalen Niveau. Weltweit ist Haus Marteau eine Adresse. Man schreibt das als junger Künstler in seine Vita, wenn man in Haus Marteau war.

Wenn es nicht zusammenpassen würde, dass die Kurse gut sind und die Kursabsolventen Karriere machen, könnte man so etwas nicht machen.

Haus Marteau steht für Kontinuität der Qualität. Die international erfolgreiche Pianistin Alice Sarah Ott erwähnte jüngst in einem Gespräch, sie sei auch in Haus Marteau gewesen – als Elfjährige. Jetzt ist sie Anfang 30 und spielt auf der ganzen Welt.

Welche Neuerungen bringt der Neubau des Konzertsaals in Haus Marteau mit sich?

Haus Marteau ist seit 1982 eine glückliche Insel für jeweils kleine Gruppen, bisher durch die räumlichen Gegebenheiten sehr beschränkt. Viele Konzertbesucher mussten sich mit Hörplätzen zufriedengeben. Unser neuer Konzertsaal bringt eine zusätzliche Komponente in das Geschehen in Haus Marteau, er hat eine große Ausstrahlung und Anziehungskraft. Ich finde ihn wirklich spektakulär. Die Granitspitzen schaffen eine tolle Raumatmosphäre, ich glaube, nur für die Akustik eines solchen Saals hätte es auch viele andere Möglichkeiten gegeben.

Dieser akustisch und gestalterisch außergewöhnliche Saal ermöglicht eine Vergrößerung der Primärarbeit. Wir können zum Beispiel zwei Kurse gleichzeitig veranstalten, die sich ergänzen, miteinander korrespondieren und dadurch künstlerisch ganz neue Möglichkeiten erarbeiten. Denkbar wäre ein Klavierkurs in Zusammenarbeit mit einem Gesangskurs, die über die Woche immer wieder gemeinsame und eigene Kursabschnitte haben. Oder zwei Kurse, die sich dem gleichen Instrument widmen und bei denen die Dozentin beziehungsweise der Dozent mal den einen, mal den anderen Kurs betreut.

Was liegt Ihnen im Hinblick auf Haus Marteau besonders am Herzen?

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Dieser Satz von Martin Buber gilt ganz besonders für Kunst, für alle künstlerische Kommunikation, naturgemäß ganz besonders für Musik. Hier möchte ich – besonders und ausdrücklich in unserer Zeit, die durch Maßnahmen gegen die Corona-Infektionsgefahr Begegnungen erschwert und Einsamkeit verstärkt – nach Kräften unterstützen. Wir haben solang es irgend ging unsere Kurse weitergeführt.

Begegnungen durch Konzerte sind genauso wenig ersetzbar wie Begegnungen durch Gespräche. Ich denke, dass wir mit dem, was wir hier in Haus Marteau machen, etwas für die Menschlichkeit tun. Begegnung heißt, dass der Künstler tatsächlich mit dem Publikum kommuniziert und das Publikum kommuniziert zurück, und das geht nur in Präsenz.

Als Musiker sind wir ja darstellende Künstler. Wenn wir eine Brahms-Sonate spielen, dann ist das zunächst einfach ein Werk. Die Sonate wurde im 19. Jahrhundert komponiert, ist 170 Jahre alt – und trotzdem: Durch die Darstellung der Künstler, die in der Gegenwart leben, wird sie ins Heute transportiert und schafft Begegnung zwischen Spielenden und Personen, die zuhören. Die Personen, die zuhören, sind kaum weniger wichtig als die spielende Person. Die spielende Person spielt anders, wenn das Spiel anders reflektiert wird.

Umso bedeutsamer ist es, dass wir überhaupt Publikum haben und die Künstler nicht nur auf Kacheln zu sehen sind.

Nehmen wir als Beispiel den Henri Marteau-Violinwettbewerb. Auch hier setzen wir auf Präsenz und Authentizität. Alle Vorspiele sind live. Allein die Tatsache, dass für die erste Runde bis zu 120 Leute aus der ganzen Welt hierherkommen, ist für uns ein wunderbarer Multiplikator: Da ist diese Wahnsinns-Villa und dort habe ich diese Musik gemacht. Seit 2008 hat der Bezirk die Trägerschaft für den Wettbewerb übernommen, mit der Organisation und Durchführung durch die Hofer Symphoniker steht der Wettbewerb auf stabilen Füßen. Das ist mir wichtig.

Und die Tatsache, dass wir den Wettbewerb mit einem Galakonzert zusammen mit den Symphonikern beschließen, ist natürlich ein Gewinn: So tragen wir die Arbeit des Hauses noch stärker in die Region.

Wie werden junge Menschen zu exzellenten Künstlern?

Ich finde es wichtig für junge Instrumentalisten und Sänger, dass sie keine Scheuklappen aufhaben, sondern dass sie sich beschäftigen mit Kunst, mit Literatur, mit der Natur. Ich möchte den jungen Menschen sagen: Geht raus, geht in die Oper, geht ins Theater, setzt euch mit der Regie auseinander. Das gehört dazu, zum Künstlersein.

Welche drei Ratschläge geben Sie jungen Instrumentalisten und Sängern mit auf dem Weg?

Ganzheitlich leben – fleißig üben – sich empathisch für die Mitmenschen einsetzen.


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Bezirk Oberfranken
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