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Pressemitteilungen
Gesundheit
| 19. Juli 2018

Migration und Betreuung

nach der Flucht

Veranstaltung am Bezirkskrankenhaus Bayreuth übertrifft alle Erwartungen

Das Bild zeigt drei Frauen, die vor einem Bild stehen und dieses intensiv diskutieren.
Auch das Kunstmuseum Bayreuth nahm mit einem Workshop an der Veranstaltung teil. (Foto: Christian Porsch)

Die Betreuung von Migranten stellt Ärzte, Therapeuten und Fachkräfte in der medizinischen beziehungsweise psychosozialen Versorgung sowie ehrenamtliche Helfer vor schwierige Aufgaben. Sie sind in einem Spannungsfeld zwischen ethischen und rechtlichen Verpflichtungen sowie ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturspezifischen Zielvorstellungen zu bewältigen.

Nötig sind spezielle Kenntnisse und auch die Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Dies passiert aktuell in Bayreuth: Das Bezirkskrankenhaus Bayreuth (GeBO), das Evangelische Bildungswerk Bayreuth/Bad Berneck/Pegnitz und der Förderverein für Psychiatrie und Psychotherapie am BKH Bayreuth griffen dies in einer berufsgruppen- und bereichsübergreifenden Fortbildungsveranstaltung zu den Chancen und Problemen in der Betreuung und interkulturellen Arbeit mit asylsuchenden Menschen auf. Die Veranstaltung richtet sich gleichermaßen an hauptamtliche Mitarbeiter der psychosozialen Versorgung wie an ehrenamtliche Helfer.

„Zwei Flügel, die bisher in der Flüchtlingshilfe tätig waren, haben zusammengefunden. Das Thema ist gesamtgesellschaftlich so relevant, dass wir uns jetzt zusammentun“, beschreiben es Dr. med. Michael Purucker, leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, und Dr. phil. Jürgen Wolff, Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerks Bayreuth, Bad Berneck, Pegnitz.

Erwartungen übertroffen

150 Teilnehmer nutzten die Chance, um sich über aktuelle Themen in der Betreuung von Flüchtlingen zu informieren und um – Kontakte zu knüpfen.

Grundlage der Arbeit mit Geflüchteten ist die Genfer Flüchtlingskonvention - 1951 entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg als Antwort auf Völkermord und Verfolgung. Bis heute ist sie angesichts der Verfolgungen, Krieg und Gewalt, vor der Menschen fliehen müssen, von zentraler Relevanz. Sie verpflichtet alle Staaten weltweit zur Achtung der Menschenwürde der Geflüchteten sowie zur Aufnahme und Betreuung von Schutzsuchenden. Für unsere Gesellschaft bedeutet dies eine Auseinandersetzung mit Menschen aus nicht-westlichen und sehr unterschiedlichen Kulturkreisen und ist mit Ängsten und Fragen verbunden.

Deutliches erhöhtes Risiko

Wissenschaft und Forschung zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische und psychosomatische Erkrankungen durch Migration und insbesondere dann, wenn vor beziehungsweise während der Flucht Traumatisierungen bestanden.

Geflüchtete sind eine extrem heterogene Gruppe  - verschiedene Herkunft, verschiedene Traditionen, verschiedene Vorstellungen. Gemeinsam ist ihnen nur eines: der Risikofaktor Migration.

Die psychische Belastung von Migranten hängt an mehreren Faktoren:

  • Wie definiert der Mensch sich selbst?
  • War die Migration freiwillig oder unfreiwillig?
  • Welcher ethnische Hintergrund besteht?
  • Welche Rolle spielt die Familie in seinem Herkunftsland?
  • Welche sozialen Rollen werden besetzt (weibliche Migranten sind generell stärker belastet als männliche)?
  • Welche soziale Unterstützung erhält ein Migrant?
  • Wie unterscheidet sich das Herkunftsland von der Gastgesellschaft?
  • Wie gut und schnell lernt der Migrant die Sprache des Gastlandes?
  • Welche Haltung hat er gegenüber Fremden?

Migranten brauchen enorme emotionale Kraft, um fortwährend zwei verschiedene Kulturen auszubalancieren. Dazu kommen oft Scham, Mistrauen, Verständigungsprobleme mit dem Arzt und Vorbehalte gegenüber psychischen Behandlungen.

Vorträge und Workshops

In Vorträgen und Workshops wurden der Zusammenhang von  Migration und psychischen Störungen sowie die Chancen und Probleme der interkulturellen Arbeit mit Geflüchteten dargestellt (wie zum Beispiel die Belastung von ehrenamtlichen Helfern, oder die Arbeit mit minderjährige unbegleiteten Flüchtlingen). Das Rahmenprogramm umfasste einen Trommelworkshop und eine Ausstellung samt Workshop des Kunstmuseums Bayreuth.

Die Veranstalter sind die Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken (GeBO), der Förderverein für Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth und das Evangelische Bildungswerk Bayreuth/Bad Berneck/Pegnitz. Die Veranstaltung wurde unterstützt durch das Bundesprogramm Demokratie Leben.

Pressekontakt

Bezirk Oberfranken
Stabstelle
Öffentlichkeitsarbeit
Cottenbacher Straße 23
95445 Bayreuth

Pressesprecher
Christian Porsch
Zimmer: VW 112
Telefon: 0921 7846-3003
Fax: 0921 7846-43003
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