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Pressemitteilungen
Fischerei
| 30. Oktober 2017

Neuer Einwanderer entdeckt:

die Flussgrundel

Bisher in Bayern nicht nachgewiesene Art aus Aisch gefischt

Eine Flussgrundel im Wasser
Die Flussgrundel wurde im Landkreis Forchheim nun erstmals in Bayern nachgewiesen. (Foto: Andreas Hartl)

Die Flüsse und Bäche Oberfrankens werden von einer neuen Fischart besiedelt, die aus dem Schwarzmeerraum zuwandert: die Flussgrundel ist jetzt in der Aisch beheimatet.

Seit fünf Jahren angeln Paul Birkner (13) und Tim Stillkerich (14), aber was ihnen beim Jugendzeltlager des Fischereivereins Willersdorf in den Sommerferien an den Haken ging, war ihnen unbekannt. Dass es eine Grundelart sein müsste, war ihnen klar. Aber welche?

Der Fischereiverein Willersdorf/Haid (Lkr. Forchheim) hatte sich im Juli an die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken gewandt. Schnell war klar, dass es sich um eine weitere eingewanderte Fischart aus dem Donauraum handeln musste, eine bisher für Bayern nicht nachgewiesene Schwarzmeergrundel-Art.

Schon die ersten Fotos von Mitgliedern des Fischereivereins Willersdorf/Haid dieses bis dahin noch unbekannten/in Bayern noch nicht nachgewiesenen Fisches ließen dies vermuten. Doch trotz einer umfangreichen Befischung im Juli durch die Fachberatung für Fischerei gelang es nicht, diese Fischart nochmals zu fangen, um sie gezielt zu bestimmen. So blieb der Verdacht unbestätigt, dass es sich um einen weiteren Neuankömmling aus dem Schwarzmeerraum handeln könnte – die Flussgrundel.

Spezielle Angeltechnik führt zum Erfolg

Für das Zeltlager des Fischereivereins Willersdorf/Haid stellte die Fachberatung dann zusätzlich Reusen zur Verfügung. Zudem hatte sich die Fachberatung für Fischerei mit internationalen Grundelexperten, unter anderem aus Rumänien, ausgetauscht.

Diese hatten eine spezielle Angeltechnik mit Wurm- oder Maden-Köder empfohlen, wie sie auch gezielt für das Köderfischen eingesetzt wird. Insgesamt 9 dieser Fische  konnten so mit der Angel während des Zeltlagers gefangen werden. Eine Flussgrundel verirrte sich zusätzlich in eine der ausgelegten Reusen.

 Nach einer abschließenden Prüfung durch die Zoologische Staatssammlung in München war klar: die Flussgrundel hat nun Bayern eindeutig erreicht. Bisher wurde sie in Deutschland nur einmalig im Jahr 2011 in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen, im Rhein nahe der holländischen Grenze. In der Aisch wurden zudem auch die Schwarzmundgrundel nachgewiesen, die bereits in Main und Regnitz heimisch ist.

Erster Nachweis der Flussgrundel in Bayern

 „Die Flussgrundel kommt aus dem Schwarzmeergebiet, also aus Rumänien und Bulgarien zu uns. In Willersdorf gibt es damit den ersten Nachweis für Ihr Auftreten in Bayern. Generell breiten sich die Grundelarten im Donausystem immer weiter aus“, berichtet Dr. Thomas Speierl, Leiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken.

Oft wandern die Fische im Ballastwasser von Schiffen ein. „Ob die Zuwanderung beziehungsweise Verbreitung nun über die Donau und über den Main-Donau-Kanal erfolgte, der die ursprünglich getrennten Einzugsgebiete von Donau und Rhein nun unnatürlich verbindet, oder ob die Flussgrundel über die Schiffstransportwege den Rhein beziehungsweise den Main aufwärts nach Oberfranken gelangte, bleibt unklar.

Nachdem in der Aisch kein Schiffsverkehr besteht, steht fest, dass die Flussgrundel die in den letzten Jahren erstellten Fischaufstiegsanlagen gezielt zur Einwanderung genutzt hat. Die Aisch ist aufgrund der geringen Strömung, des hohen Sandanteils und der vielen Untiefen, vor allem in den Staubereichen ein günstiger Lebensraum für diese neue Fischart – wie auch alle weiteren linksseitigen Zuflüsse der Regnitz.“

Fischereiwirtschaftlich besitzt die Flussgrundel aufgrund ihrer geringen Größe keine wirtschaftliche Bedeutung. Als Lebensmittel zeichnet sie ihr süßes Fleisch aus, das sehr schmackhaft ist, wenn es frisch verzehrt wird. Dies trifft auch alle übrigen Grundel-Arten zu.

Auswirkungen der Besiedlung ungewiss

Welche Folgen die Besiedlung durch eine solche neue Fischart haben wird, ist nicht wirklich abzuschätzen: Einerseits ist die Grundel Futter für Raubfische wie Zander oder Aal, sie kann aber auch Konkurrenz für heimische Kleinfischarten sein. Zudem umfasst bei allen Schwarzmeergrundel-Arten die Nahrung eine hohe Bandbreite an wirbellosen Tieren, Krustentieren sowie Fischgelegen, Fischlarven und auch Jungfischen. Das Gefährdungspotenzial für die heimischen Fischbestände ist somit noch nicht eindeutig abzuschätzen.

Dass die Flussgrundel nach Oberfranken gekommen ist, hat laut Speierl viel mit dem zunehmenden internationalen Schiffsverkehr zu tun: „ Auch die Schwarzmeergrundel-Arten gehen sozusagen auf Kreuzfahrt und dass sich in der Genussregion Oberfranken niederlassen und einrichten, muss man ihnen wohl nachsehen“, meint der Fischexperte des Bezirks mit einem Augenzwinkern.

Zudem komme die zunehmende Erwärmung der Gewässer diesen südosteuropäischen Fischarten entgegen. „Es werden weitere Arten zu uns stoßen   – die Migration bei diesen Fischarten hat gerade erst begonnen“, so seine Einschätzung: „Wir erwarten als nächstes die Nackthalsgrundel“.

Info: Die Flussgrundel

Der neue Zuwanderer ist gewöhnlich 8-11 cm groß, kann aber auch Spitzenwerte von 19 cm erreichen. Wie bei allen Schwarzmeergrundel-Arten sind die Bauchflossen zu einer „Saugscheibe“ verwachsen. Diese ist bei der Flussgrundel hell bis farblos. Typisch sind die hell-bläulich irisierenden Flanken mit einer deutlich abgrenzbaren Musterung aus schwarzen Flecken.

In der Laichzeit von April bis Juli ändern die männlichen Tiere ihre Farbe (dunkel bis schwarz) und die unpaaren Flossen (Rücken-, After- und Schwanzflosse) werden größer mit gelber Sprenkelung.

Die weiblichen Tiere legen in  1 m Tiefe rund 1.500 Eier ab, die an Wurzeln, Steinen oder anderen festen Strukturen kleben.

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Bezirk Oberfranken
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Christian Porsch
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