Neuer Lebensraum:
Altarm der Aisch wieder angebunden

Ein Stück ursprüngliche Flusslandschaft kehrt zurück: Zwischen Willersdorf und Hallerndorf hat der Fischereiverein Willersdorf-Haid einen bislang abgetrennten Altarm wieder an die Aisch angebunden. Der neu erschlossene Gewässerbereich soll künftig als Rückzugsraum, Laichgebiet und Kinderstube für Fische dienen und zugleich die Artenvielfalt fördern. Die Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken begleitet das Projekt fachlich und untersucht, wie sich der Fischbestand durch die Wiederanbindung verändert.
Um die Auswirkungen der Maßnahme auf die Fischfauna beurteilen zu können, führt die Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken gemeinsam mit dem Fischereiverein ein begleitendes Fischmonitoring durch. Einige Tage vor der Wiederanbindung Anfang Oktober, untersuchten die Fachleute den Fischbestand im isolierten Altwasser und in der angrenzenden Aisch. Die Ergebnisse dienen als Ausgangspunkt für einen späteren Vorher-Nachher-Vergleich. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: Im abgetrennten Altarm wurden überwiegend Giebel nachgewiesen, die auch mit sauerstoffarmen Gewässerbedingungen vergleichsweise gut zurechtkommen. Vereinzelt fanden sich zudem Bitterlinge, die vermutlich bei einem früheren Hochwasser in das Altwasser gelangt waren. In der Aisch war die Artenvielfalt dagegen deutlich größer. Hier konnten unter anderem Welse, Flussbarsche, Lauben, Gründlinge und Bitterlinge festgestellt werden.
„Unsere Untersuchungen haben gezeigt, wie unterschiedlich die Lebensbedingungen im isolierten Altarm und in der Aisch sind. Durch die Wiederanbindung können nun weitere Fischarten den Altarm besiedeln. Gerade für Jungfische sind solche strömungsberuhigten Bereiche als Rückzugsraum und Kinderstube besonders wertvoll. Gleichzeitig kann die Verbindung zur Aisch verhindern, dass das Gewässer in trockenen Sommermonaten austrocknet und dadurch Fische verenden“, erklärt Jarno Fuchs von der Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken, der an der Bestandsuntersuchung beteiligt war.
Mitte September begannen die Baggerarbeiten zur Wiederanbindung des Altarms. Dabei wurden rund 1.500 Kubikmeter unbelasteter Boden aus dem Hochwassergebiet entfernt. Nach Abschluss der Erdarbeiten folgen weitere ökologische Maßnahmen: Wurzelstöcke, Totholz und sogenannte Rauhbäume sollen zusätzliche Strukturen und Versteckmöglichkeiten im Wasser schaffen. Insbesondere Jungfische finden dort künftig Schutz. Auch die Pflanzung von Erlen und Weiden am Ufer ist vorgesehen. Sie sollen Schatten spenden, die Ufer stabilisieren und weitere Lebensräume für Tiere schaffen. Von der Maßnahme profitieren nicht nur Fische. Die strukturreichen Ufer- und Wasserbereiche können auch Amphibien, Vögeln und weiteren Tierarten neue Lebensmöglichkeiten bieten.
Die Wiederanbindung wurde vom Fischereiverein Willersdorf-Haid mit Unterstützung des Landesfischereiverbands Bayern umgesetzt. Auch der Bezirksfischereiverband Oberfranken, die Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken sowie weitere Behörden und Partner unterstützten das Vorhaben. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 35.000 Euro. Davon werden 80 Prozent aus Mitteln der Bayerischen Fischereiabgabe gefördert. Die verbleibenden 20 Prozent, rund 7.000 Euro, trägt der Fischereiverein selbst. Die Mitglieder hatten diesem finanziellen Eigenanteil bei ihrer Jahreshauptversammlung im Januar 2026 zugestimmt.
Wie sich der Fischbestand im wieder angebundenen Altarm entwickelt, wird die Fischereifachberatung des Bezirks Oberfranken weiter untersuchen. Für das Jahr 2028 ist eine erneute Befischung der bereits untersuchten Gewässerabschnitte vorgesehen. Der Vergleich mit den Ergebnissen der ersten Bestandsaufnahme soll zeigen, welche Fischarten den neuen Lebensraum angenommen haben und wie sich die Artenvielfalt verändert hat. Die gewonnenen Erkenntnisse können auch für die fachliche Bewertung künftiger Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Fließgewässern von Bedeutung sein.
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