Regenwürmer fangen im
Auftrag der Wissenschaft

Auf der Jagd nach Regenwürmern waren Mitte April Studentinnen und Studenten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf Versuchsflächen zwischen Bayreuth und Donndorf unterwegs. Die Ackerfläche der Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken steht seit vielen Jahren immer wieder im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen zur Bewertung der Bodenqualität. Die Regenwurmaktivität ist hierfür ein wichtiger Indikator.
Die Probenahmen erfolgten auf einer bewirtschafteten Ackerfläche am Ortseingang von Donndorf mit rund 3600 m², die seit dem Jahr 2010 Gegenstand eines interdisziplinären Langzeitversuchs der Uni Halle Wittenberg ist. Auf 50 Parzellen mit je zwölf mal sechs Meter wurden zu Versuchsbeginn vor 16 Jahren verschiedene Mischungen aus Pflanzenkohle und Kompost ausgebracht. Ziel war es zu untersuchen, ob sich damit die Bodenfruchtbarkeit, der Humusgehalt und die Wasserhaltefähigkeit verbessern lassen. In regelmäßigen Abständen wurden in den Folgejahren die Bodenqualität und Langzeitstabilität der Pflanzenkohle und die Ernteerträge untersucht. Historisches Vorbild sind die berühmten Terra Preta Böden Amazoniens, in die vor über 1000 Jahren Kohle und nährstoffreiche Biomasse im Zuge der Besiedlung durch die indigene Bevölkerung eingebracht wurde. Bis heute sind sie sehr fruchtbar.
„Unsere Landwirtschaftlichen Lehranstalten werden weit über die Region hinaus als verlässlicher Partner in Forschung und Lehre geschätzt. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, Universitäten und Bildungseinrichtungen geeignete Flächen für wissenschaftliche Arbeiten bereitzustellen und so aktiv zur Weiterentwicklung der Agrarwissenschaften beizutragen“, betont Bezirkstagspräsident Henry Schramm. Daher stellt die Lehranstalt immer wieder praxisnahe Versuchsflächen für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung und begleitet diese fachlich.
Der letzte Besuch von Projektleiter Dr. Arthur Groß mit seinen Studenten liegt mittlerweile über ein Jahr zurück, 2024 waren sie in Bayreuth zu Gast. Die Forschung zielt darauf ab, Erkenntnisse über nachhaltige Bodenbewirtschaftung sowie über die Wechselwirkungen organischer Substanzen im Boden zu gewinnen. „Aus den Ergebnissen der Vorjahre ist zu erkennen, dass die initiale Pflanzenkohleapplikation in 2010 langfristig zu einer Erhöhung und Stabilisierung des Humusgehalts am Standort geführt hat“, erklärt der Wissenschaftler. Es sei über den gesamten Zeitraum hinweg Kohlenstoff im Boden festgelegt worden, der sonst in der Atmosphäre in Form von Kohlenstoffdioxid zur Klimaerwärmung beitragen würde. Darüber hinaus konnte nachhaltig die Bodenfruchtbarkeit verbessert werden. In einem Gefäßversuch haben die Forscher zudem nachgewiesen, dass der mit Pflanzenkohle behandelte Boden verglichen mit dem unbehandelten Kontrollboden selbst nach 14 Jahren das Pflanzenwachstum verbessert.
Beim diesjährigen Besuch gab es einen besonderen Schwerpunkt: bei den Untersuchungen stand die Aktivität von Regenwürmern als wichtiger Indikator für die biologische Bodenfruchtbarkeit im Mittelpunkt. Auf einer definierten Fläche von einem Quadratmeter pro Versuchsparzelle wurden dafür die Regenwürmer ausgezählt. Anhand phänotypischer Merkmale wurde zudem die jeweilige Art bestimmt. Gegenwärtig werden neben den Regenwürmern auch die Bodenproben an der Universität in Halle auf wichtige Kenngrößen wie den Gehalt an Kohlenstoff und Stickstoff sowie die mikrobielle Biomasse analysiert. Die erhobenen Daten werden von den an der Exkursion beteiligten Masterstudenten der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg statistisch ausgewertet und die Ergebnisse im Rahmen der Abschlussprüfung präsentiert.
Mit der kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis leisten die Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken einen Beitrag zur nachhaltigen Weiterentwicklung moderner Anbausysteme. „Die Forschungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg liefern der Landwirtschaft wichtige Erkenntnisse zur Steigerung eines klimaresilienteren Ackerbaus“, ist sich Sebastian Thiem, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken, sicher. Es sei ihm ein großes Anliegen, dass im landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsbetrieb praxisreife Erkenntnisse generiert und transferiert werden, die Zukunftsfragen der Landwirtschaft in Oberfranken beantworten.
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