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Soziales
| 02. Juli 2026

Hilfe rund um die Uhr –

fünf Jahre Krisendienst in Oberfranken

Krisendienst in psychischen Belastungssituationen unter der 0800 655 3000 erreichbar

Eine Frau und zwei Männer stehen in einem Büroraum. Sie halten Plakate in die Kamera
5 Jahre Krisendienst: auf das Angebot machen (v.l.) Manuela Bierbaum, Geschäftsführung Diakonie Hochfranken, Bezirkstagspräsident Henry Schramm und Gebietskoordinator Martin Schuster aufmerksam. (Foto: Sabine Heid)

Ein Streit eskaliert, die Angst wird übermächtig, eine Trennung reißt einem den Boden unter den Füßen weg. Seit mittlerweile fünf Jahren ist in Oberfranken in psychischen Belastungssituationen der Krisendienst unter der 0800 655 3000 rund um die Uhr erreichbar. Am anderen Ende der Leitung: Mitarbeitende, die zuhören und helfen, akute Krisen zu meistern und in besonders kritischen Fällen auch konkrete Hilfe schicken können. Das Angebot, das schnelle, professionelle und niedrigschwellige Unterstützung für Betroffene, Angehörige und auch Fachstellen bietet, wird immer besser angenommen.

„Die Anrufzahlen beim Krisendienst in Oberfranken sind seit Beginn im Jahr 2021 bis heute kontinuierlich gestiegen: von rund 4.900 Kontakten im ersten Jahr auf über 9.400 im Jahr 2025. Das zeigt uns, dass zum einen unser Angebot immer bekannter wird, zum anderen aber auch der Bedarf wirklich da ist“, so Bezirkstagspräsident Henry Schramm. 

Eingerichtet wurde der Krisendienst vor dem Hintergrund des Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes. Der Freistaat Bayern hatte damit den Aufbau flächendeckender Krisendienste angestoßen. Die bayerischen Bezirke setzten diesen Auftrag um, so dass heute in allen Regierungsbezirken Krisendienste unter der einheitlichen Rufnummer 0800 655 3000 ihre Hilfe anbieten. In Oberfranken nahm der Dienst Anfang des Jahres 2021 seine Arbeit auf, seit dem 1. Juli 2021 ist er rund um die Uhr erreichbar.

Diakonie Hochfranken übernimmt Leitstelle

Zunächst wurde die Leitstelle des Krisendienstes Oberfranken von Dr. Loew Soziale Dienstleistungen betrieben, zum 1. April 2026 folgte der Wechsel zur Diakonie Hochfranken. Die Mobilen Teams, die in besonders schwerwiegenden Fällen auf Wunsch der Betroffenen vor Ort Hilfe leisten, werden in Kooperation mit den Sozialpsychiatrischen Diensten in Oberfranken und den AWF-Diensten der Diakonie Hochfranken gestellt.

Jede Hilfe beginnt zunächst mit dem Anruf. Am anderen Ende der Leitung sitzen Fachkräfte aus Psychologie, Sozialpädagogik und psychiatrischer Pflege. Sie hören zu, ordnen die Lage ein und besprechen mit den Anrufenden, was als Nächstes möglich und nötig ist. Bei Bedarf vermitteln sie auch weiterführende Hilfsangebote. Wenn die Situation besonders angespannt oder unübersichtlich ist, kann der Krisendienst auch vor Ort unterstützen. Mobile Teams kommen dann innerhalb von maximal einer Stunde direkt zu den Betroffenen. Solche Einsätze erfolgen insbesondere in schwerwiegenden Fällen, wenn die Situation nicht mehr allein telefonisch geklärt werden kann oder eine zusätzliche Einschätzung notwendig ist. Die Zahl der mobilen Einsätze hat – wie auch die Anrufzahlen - ebenfalls deutlich zugenommen: von 161 im ersten Jahr auf 248 im Jahr 2025.

Martin Schuster, Gebietskoordinator des Krisendienstes Oberfranken, gibt einen Einblick in die Statistik des oberfränkischen Krisendienstes: die größte Gruppe der Anrufer sind junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren. Häufig befinden sich die Anrufer in Übergangsphasen des Lebens, etwa in einer Trennung, müssen den Verlust eines Angehörigen verarbeiten oder haben andere einschneidende Veränderungen erlebt. „Die Themen verändern sich: Immer häufiger geht es um Probleme im privaten Umfeld, aber auch um Depressionen und akute Belastungssituationen“, erläutert Schuster. Auffällig sei zudem, dass sich zunehmend Angehörige an den Krisendienst wenden. Krisen betreffen meist nicht nur eine einzelne Person, sondern das ganze Umfeld.

Kampagne “Mut in der Krise”

Wie wichtig es sein kann, die Hemmschwelle zum Anruf zu überwinden, zeigt die bayernweite Kampagne „Mut in der Krise“. Dort berichten Betroffene öffentlich von ihren Erfahrungen mit den Krisendiensten. Eine von ihnen ist Agathe, 48. Sie lebte in einer belastenden Ehe, aus der sie sich nur schwer lösen konnte. Nach einem eskalierenden Streit mit ihrem damaligen Partner rief sie den Krisendienst an. Im Rückblick beschreibt sie, dass die Mitarbeiterin am Telefon zunächst Ruhe in die Situation brachte und mit ihr Schritt für Schritt klärte, was nun zu tun sei. Alleine, sagt Agathe, hätte sie das in diesem Moment nicht geschafft.

Die Kampagne will Menschen ermutigen, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Auch Schramm betont diesen Punkt: „Eine frühzeitige Unterstützung in psychischen Krisen ist nach wie vor die beste Vorbeugung gegen schwere Krankheitsverläufe oder sogar einen Klinikaufenthalt.“ In der Praxis werde der Krisendienst aber häufig erst dann kontaktiert, wenn sich eine Lage bereits stark zugespitzt habe. Deshalb solle das Angebot weiter bekannter gemacht werden.

Der Krisendienst Oberfranken ist täglich und rund um die Uhr unter 0800 655 3000 erreichbar. Der Anruf ist kostenlos.


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Bezirk Oberfranken
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