Schwerer Rückschlag für die
Äsche in Oberfranken

Seit vielen Jahren steht die Äsche, der Fisch des Jahres 2026, im Mittelpunkt eines Artenhilfsprogramms des Bezirks Oberfranken: in der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß arbeiten die Mitarbeiter jedes Jahr intensiv daran, Satzfische für den Wiederaufbau und die Stützung der Äschenbestände in den heimischen Gewässern zu erzeugen. Doch zum ersten Mal konnten bei einer Befischung in der Wiesent nicht mehr ausreichend Laichfische der Äsche gefangen werden.
Die Äsche ist sowohl in Bayern als auch bundesweit mittlerweile stark gefährdet. Durch den diesjährigen Kältewinter und den damit verbundenen massiven Kormoraneinfall haben die Fischbestände weiter gelitten. „Die Artenhilfsprogramme sind ein wichtiger Baustein für den Erhalt gefährdeter Fischarten in unseren oberfränkischen Gewässern“, erläutert Bezirkstagspräsident Henry Schramm. „Unsere Fachberatung für Fischerei kooperiert dabei eng mit dem Bezirks- und Landesfischereiverband.“
Viele Jahre „Learning by doing“ liegen dem Äschenhilfsprogramm des Bezirks Oberfranken zugrunde. Die Mitarbeiter der Lehranstalt für Fischerei in Aufseß mussten zunächst über mehrere Perioden hinweg die optimalen Bedingungen für eine Nachzucht von Äschen finden: befruchtungsfähige Eier, die richtige Wassertemperatur, das optimale Futter und Haltungsbedingungen. „Wir hatten viele Rückschläge zu verkraften, mussten in eine artgerechte Laichfischhaltung investieren und an vielen Stellschrauben drehen, um die künstliche Vermehrung und Setzlingsaufzucht zu optimieren“, erzählt Viktor Schwinger von der Fachberatung für Fischerei.
Der Schlüssel zum Erfolg des Programms liegt im Fang von wilden Laichfischen in einem ausgesuchten Abschnitt der Wiesent, einem typischen Äschengewässer in Oberfranken. Diese werden entweder direkt am Laichplatz gefangen und abgestreift oder verbringen einige Zeit bis zur vollen Laichreife im Safaribach der Lehranstalt. Nach der Laichgewinnung werden sie wieder zurück in die Wiesent ausgesetzt.
Erstmals konnte so 2025 eine nennenswerte Nachzucht der stark bedrohten Äsche erzeugt werden – etwa 12.000 einsömmrige Setzlinge wurden zur Stärkung der Äschenbestände in Oberfranken ausgesetzt. Doch nun erfolgte die Ernüchterung. Aufgrund des strengen Winters und der langen Frostperiode, insbesondere im Januar und Februar bis hinein in den März, haben die heimischen Fischbestände in den Fließgewässern erheblich gelitten. Gleichzeitig zogen wegen des strengen Winters in Norddeutschland mehr Kormorane als gewöhnlich entlang der Mainachse nach Oberfranken. Durch die lange Eisdeckung der Teiche und Seen konnten die Kormorane ausschließlich in den Fließgewässern jagen. Immer wieder gingen bei der Fachberatung für Fischerei Meldungen der Fischer zu starken Kormoraneinfällen ein.
Die Folgen des Kormoranbefalls werden nun deutlich: Als in den vergangenen Wochen Laichfische für das Äschenhilfsprogramm in der Wiesent gefangen werden sollten, blieben die Netze nahezu leer. Auch andere Fische wurden kaum nachgewiesen und wenn, hatten diese meist deutliche Verletzungen durch den Kormoran. „Der riesige Verlust von nahezu 95 % des Äschenbestands ist völlig außergewöhnlich und mit Blick auf die kurze Lebensdauer der Äsche kann dieser Ausfall für die gesamte Population verheerende Folgen haben“, so Schwinger.
Vergleicht man die Zahlen aus den vergangenen Jahrzehnten von regelmäßig befischen Gewässerstrecken, versteht man die Sorge der Fischereiexperten: in den 80er Jahren, als der Kormoran nicht im Wiesenttal vorkam, lag die Zahl der Äschen auf einem Flussabschnitt von 100 Metern bei etwa 20 bis 25 Fischen. Ende der 90er Jahre stieg der Fraßdruck durch den Kormoran. Besonders groß sind die Verluste in Kältewintern, wenn die Kormorane vermehrt die eisfreien, kleineren Flüsse aufsuchen. Im Jahr 2004 konnten noch sechs Fische pro 100 Metern nachgewiesen werden. In den Folgejahren lag diese Zahl trotz Schutzmaßnahmen und Vergrämung nur noch bei 1-2 Fischen pro 100 Meter. Der vergangene Kältewinter hat nun offensichtlich erneut verheerende Auswirkungen auf den Fischbestand in der Wiesent gehabt.
Für einen umfassenderen Überblick befischte die Fachberatung weitere Gewässer, in denen es über den Winter ebenfalls starke Kormoraneinfälle gab. Auch dort waren die Verluste beim Fischbestand erheblich und lagen bei etwa 75%. Lediglich in Gewässerabschnitten, in denen die Vergrämung des Kormorans per Abschuss auf Grundlage der Artenschutzrechtlichen Ausnahmeverordnung für Bayern oder den entsprechenden Allgemeinverfügungen in der Praxis umgesetzt wurde, gab es geringere Verluste.
Die Forderung der Fachberatung für Fischerei ist daher eindeutig: „Es ist dringend notwendig, dass die im Jahr 2027 auslaufende bayerische Kormoranverordnung fortgeführt wird. Zusätzlich brauchen wir ein strenges und wirksames Kormoranmanagement in ganz Europa, bei dem der Schutz von Fischpopulationen im Vordergrund steht.“ Die europäische Kormoranpopulation sei generell zu hoch.
„In diesem Jahr wird uns eine Nachzucht der Äsche nicht möglich sein. Es bleibt auch abzuwarten, wie sich der Bestand in der Wiesent erholt, nachdem nun auch der Fischotter dort vorkommt“, so Dr. Thomas Speierl, Leiter der Fachberatung für Fischerei. Sobald wieder ausreichend Laichfische zur Verfügung stehen, wird das Artenhilfsprogramm fortgeführt, denn es sei wichtig, diese stark gefährdete Art in Oberfranken zu erhalten.
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