Eger deutlich zu warm für
Äsche und Forelle

Seit rund 25 Jahren werden aufgrund der Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie beträchtliche Summen investiert, um den Zustand der Fischfauna in den Gewässern zu verbessern. Doch in der Eger sind die heimischen Kaltwasserfische wie Äsche oder Bachforelle, die hier eigentlich dominante Vorkommen bilden sollten, im Fang immer noch deutlich unterrepräsentiert. Eine Studie der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken in Kooperation mit dem Projekt InseGdA des Landkreises Wunsiedel weist nun nach: der Fluss ist den eigentlich heimischen Fischen einfach viel zu warm.
„Mit der Einführung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurde der Zustand der Fischfauna zu einem der biologischen Qualitätskriterien, die zur Klassifizierung des ökologischen Zustands von Oberflächengewässern herangezogen werden. Doch selbst nach all den finanziellen Investitionen in die Steigerung der Gewässerqualität hat sich der Zustand der Fischfauna in der Eger kaum oder gar nicht verbessert“, erklärt Dr. Viktor Schwinger von der Fachberatung für Fischerei den Ansatz einer Studie, die gemeinsam mit dem Projekt InseGdA (Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge) und der Hochschule Magdeburg-Stendal & Institut für Fischerei in Starnberg durchgeführt wurde. Ursache für die Zielverfehlung ist die zu hohe Wassertemperatur, so die Fachleute. Diese sei bei den bisherigen Betrachtungen des Gewässerzustands und Maßnahmenplanung zu wenig beachtet worden. „Es ist wichtig, dass wir genau hinsehen, wie es um unsere Gewässer steht“, betont Bezirkstagspräsident Henry Schramm. “Der Erhalt und Schutz der Artenvielfalt in den Fließgewässern, Stillgewässern und Teichen in Oberfranken ist eine der Hauptaufgaben der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberfranken.“
Die Studie macht deutlich, dass die Eger im Vergleich zu ihrem Schwesternfluss Röslau, in der die Fischfauna deutlich besser bewertet wird, viel zu warm ist. Dieser Aussage liegen neben den umfangreichen Fischbestandsdaten (insg. >60.000 Individuen) aus beiden Flüssen auch kontinuierliche Wassertemperaturmessungen zugrunde.
Die Fischbestandsdaten der Eger zeigen, dass die erhöhte Wassertemperatur des Mittelgebirgsflusses keine gebietstypische Fischpopulation entstehen lässt – die typischen Kaltwasserfische wie Äsche, Bachforelle und Mühlkoppe gingen den Forschern bei den Abfischungen kaum ins Netz. Und wenn die Wassertemperatur nicht stimmt, dann würden auch Renaturierungsmaßnahmen ins Leere laufen. „An vergleichbaren Gewässerabschnitten waren den Messergebnissen zufolge die Hochsommertemperaturen der Eger zeitweise mehr als 10°C höher als in der Röslau“, bestätigt Dr. Andreas Zipperle vom Landratsamt Wunsiedel. „Dies liege vor allem an großen Staubereichen vor Wasserbauwerken und Wehranlagen, die in dieser Form an der Röslau nicht vorkommen“, ist er sich sicher.
Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie effizienter machen
Der Gewässerzustand der Eger ist per se nicht als schlecht zu bewerten – doch die Kriterien der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Fischfauna seien in der aktuellen Situation nicht zu erreichen. Den für die Bewertung und Zielerreichung der EU-Wasserrahmenrichtlinie typischen Leitarten, allesamt Fischarten, die kaltes Wasser brauchen, sei es schlicht zu warm. „Mit den Ergebnissen unserer Studie möchten wir nicht nur die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Oberfranken effizienter machen und das für die Umsetzung zuständige Wasserwirtschaftsamt unterstützen, sondern auch mehr Erkenntnisse über den aktuellen thermischen Zustand unserer Flüsse gewinnen, um für ihre fischereiliche Bewirtschaftung eine bestmögliche Fachberatung gewährleisten zu können“, ergänzt Dr. Viktor Schwinger.
Zur Verdeutlichung nennt er ein Berechnungsmodell aus der vorliegenden Studie, das zeigt, dass zur Erreichung des guten ökologischen Zustandes nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie in der Eger Maßnahmen erforderlich sind, die den Mittelwert der Höchsttagestemperaturen im Zeitraum Juni bis August von derzeit 19,1–20,5 °C auf mindestens 16–16,5 °C senken. Um allerdings über diese alternativen Maßnahmen und vor allem über ihre realistische Machbarkeit diskutieren zu können, seien nun detailliertere Daten zum thermischen Fußabdruck einzelner Wasserbauwerke bzw. Wehranlagen und ihrer Staubereiche erforderlich. Die vorliegende Studie sei nur als erster Schritt zu verstehen. Die Fachberatung für Fischerei betreut in Kooperation mit dem Projekt InseGdA des Landkreises Wunsiedel i. Fichtelgebirge aktuell eine Masterarbeit der Hochschule Anhalt, die sich mit dem Thema „Einfluss von Stauanlagen verschiedener Bauart und Betriebsweise auf das Temperaturregime eines Salmonidengewässers“ beschäftigt. Abschließende Ergebnisse dieser Masterarbeit sind voraussichtlich in diesem Sommer zu erwarten.
Die komplette Studie zur Wassertemperatur in der Eger wurde in der Fachzeitschrift Hydrobiology veröffentlicht. Sie ist über folgenden Link zu finden: https://doi.org/10.3390/hydrobiology5010006
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